16.11.21

Sind Testmanager:innen in einer agilen Welt noch erforderlich oder schon verdrängt worden?

München, 16.11.2021 – Bei unseren Kunden, in agilen Projekten und Weiterbildungen kommt in letzter Zeit immer wieder die Frage auf: sind Testmanager:innen in einer agilen Welt noch erforderlich? Wenn ja, wann genau und wofür braucht es sie noch? Wir sind im Expertengespräch zum „Agile Testing“ mit Matthias Wolf und Jürgen Volles von der SPIRIT-TESTING Software & Services GmbH den Fragen in einem ersten Beitrag zum Testmanagement auf den Grund gegangen und werden in einem weiteren Beitrag dann erläutern, wie sich die Rolle des Testmanagers (m/w/d) verändert hat.

Die Fragestellung ist nicht neu und ergibt sich aus dem „Agilen Manifest“, was ja bekanntermaßen die Grundlage für unsere agile Vorgehensweise und SCRUM in Projekten ist. Gleichzeitig hat uns auch folgendes Zitat eines Testmanagers der SPIRIT-TESTING zu diesem Artikel inspiriert: „In meinem ersten Buch zum Testen in SCRUM-Projekten habe ich gelesen, dass es die Rolle des Testmanagers oder einer Testmanagerin in SCRUM nicht mehr geben wird. Trotzdem bin ich seit rund 15 Jahren bis heute als Testmanager im Einsatz, und zwar ausschließlich im agilen Umfeld.“

Sind Testmanager:innen in einer agilen Welt also noch erforderlich?

Einige Antworten von Teilnehmer:innen in einem Workshop zum Software Testing sind z. B.

  • es kommt auf das Projekt an,
  • aus meiner Sicht sind Testmanager:innen unabdingbar oder,
  • wenn die Rollen im Projekt gut verteilt sind, ist es auch ohne Testmanager:in möglich.

Ein klares JEIN also.

Mit einem Blick aus der Praxis für Ihre Praxis braucht es ein Testmanagement im agilen Projekt nicht unbedingt, wenn Ihr Team nur aus wenigen Mitarbeiter:innen besteht, die Rollen und Verantwortlichkeiten im Team sowie alle Testmanagementaufgaben klar zugeordnet sind. Idealerweise übernehmen die drei Rollen nach SCRUM wie Product Owner (PO), SCRUM Master und das Entwicklungsteam dann operative und strategische Aufgaben aus dem Testmanagement (nach ISTQB). Werden nun alle Aufgaben von Testmanager:innen auf das agile Team verteilt, können sich Herausforderungen oder gar Zielkonflikte ergeben, wenn z. B. eine klare Zuordnung zu einer Person nicht mehr möglich ist oder Überlastung droht. Alle machen Qualitätssicherung und Testmanagement oder ggf. auch nicht.

Wann und wofür brauchen wir Testmanager:innen?

„Ganz klar empfehlen wir die Rolle des Testmanagers oder der Testmanagerin auch in agilen Projekten ab einer gewissen Projektgröße (mittelgroß bis groß), bei einem großen Team oder auch bei mehreren kleinen Entwicklerteams. So soll Kompetenzgerangel vermieden, das Team arbeiten können und gleichzeitig QS-Standards mit klaren Zuständigkeiten gesichert werden,“ sagt Jürgen Volles, Geschäftsführer der SPIRIT-TESTING.

„Testmanager:innen stellen in einer agilen Welt einfach eine unabhängige Instanz zur Durchsetzung gemeinsam definierter Qualitätssicherungsziele dar und sind regelmäßig Bestandteil von SCRUM-Teams, wie ich es in der Praxis erlebe,“ ergänzt Matthias Wolf, Testmanager der der SPIRIT-TESTING.

Mit einem qualifizierten und nach ISTQB-zertifizierten Testmanagement wird das Einhalten der Qualitätssicherung (QS) klar geführt und integraler Projektbestandteil sein. Damit ist auch allen die Rollen- und Aufgabenaufteilung im Projekt offensichtlich. Der Testmanager oder die Testmanagerin sollen und können QS-Aspekte koordinieren und das Testteam anleiten, was beim Product Owner (PO) oder SCRUM Master nicht so klar angesiedelt ist. Der PO organisiert das agile Umfeld und stimmt sich mit Stakeholdern z. B. zur Definition of Done (DOD) ab. Auch aus Zeit- und Priorisierungsgründen stehen für POs oft eher die Performance und der Ticketdurchsatz (Velocity) des Teams im Fokus als eine Einhaltung der QS. Der SCRUM Master achtet primär darauf, dass sowohl die Vorgaben des agilen Manifests eingehalten als auch im Projekt die passenden Rahmenbedingungen vorherrschen und Hemmnisse beseitigt werden.

Testmanager:innen leiten das Testteam, überwachen die Ressourcen, erstellen Reports und kommunizieren mit der Entwicklung, Fachabteilung sowie der Projektleitung. Sie schätzen Testprojekte, setzen die Einhaltung der Qualitätsprozesse und -verfahren des Unternehmens durch, beschaffen die zum Testing erforderlichen Tools und überprüfen die Testpläne sowie die vorhandenen und erstellten Testfälle. So trägt ein Testmanagement maßgeblich zum Wahrnehmen und Durchsetzen vorgegebener oder kundenspezifischer Unternehmensstandards bei und dokumentiert diese nachvollziehbar. Erfahrene Testmanager:innen können den Product Owner (PO), die Entwicklungsleitung und die Projektleitung mit ihrem Fokus auf die QS beim Erreichen ihrer Projektziele unterstützen und Zielkonflikte vermeiden. Sie kümmern sich insbesondere um den ganzen Testingprozess und optimieren diesen. Sie kommen umso mehr zum Tragen, wenn im Projekt ein klares Risiko- oder Defectmanagement untergeht oder gar fehlt. Darüber hinaus stellen sie oft die Kommunikation in Bezug auf alle Quality-Assurance-Maßnahmen in Projekten sicher, was gerade bei dezentral aufgestellten Teams immer relevanter wird.

Testmanager:innen sind zusammengefasst für den Projekterfolg wichtig:

  1. ab einer gewissen Größe des Projektes und des Teams (mittelgroß bis groß) oder auch bei dezentral verteilten, kleineren Entwicklungsteams.
  2. als unabhängige Instanz zur Durchsetzung gemeinsam definierter Ziele und der Qualitätssicherung (QS) im Projekt.
  3. wenn das Einhalten der QS klar geführt und integraler Projektbestandteil sein soll.
  4. zum Wahrnehmen, Durchsetzen oder zur Überwachung wichtiger Standards, egal ob vom Unternehmen oder durch externe Rahmenbedingungen vorgegeben.
  5. zur Entlastung und Unterstützung des Product Owners (PO) und des SCRUM Masters.

Im zweiten Beitrag rund um das Testmanagement erfahren Sie dann nächste Woche, wie sich die Rolle eines Testmanagers oder einer Testmanagerin verändert hat.

Haben Sie Erfahrung und Spaß an der Beratung namhafter Kunden zur Qualitätssicherung und zum Testmanagement, dann sind Sie bei uns im Team genau richtig und wichtig: